Das Handy und der Kongo

Babenhäuser Joachim-Schumann-Schüler erfahren im Missio-Truck viel zu Flucht und Fluchtursachen
Missio Truck webWas hat die demokratische Republik Kongo mit unseren Alltagsgewohnheiten zu tun? „Nichts!“ war die übereinstimmende Antwort der Schülerinnen und Schüler der Babenhäuser Joachim-Schumann-Schule, die im Rahmen des evangelischen Religionsunterrichts den Fragen von Migration, Flucht und Fluchtursachen nachgehen. Sie nutzten die Gelegenheit, die multimediale Ausstellung zu Flucht und Fluchtursachen im Missio-Truck, einem als Erlebnisraum umgebauten Lastwagen, der während der Interkulturellen Wochen in Dieburg Station machte, zu besuchen.

„Sehr viel“, erläuterte die Mitarbeiterin von Missio, dem Internationalen Katholischen Missionswerk e.V. , „ihr alle habt heute schon etwas davon in der Hand gehalten“. Da konnten nur die Handys gemeint sein. Mein Handy und der Kongo, an diesem Beispiel wurden Ressourcenkonflikte als Fluchtursache thematisiert.

In der Tat enthält ein Smartphone etwa 60 verschiedene Rohstoffe, eines, das Coltan, ist ein Erzgemisch, das speziell in der Elektronikindustrie für die Herstellung von Handys, Kameras, Laptops etc. unersetzlich geworden ist. Es gibt einen großen Hunger nach diesem Rohstoff. Etwa ein Drittel der weltweiten Produktion an Coltan stammt aus der Demokratischen Republik Kongo, wo rivalisierende bewaffnete Milizen und Rebellengruppen Dörfer überfallen und Frauen und Kinder zwingen, unter unsäglichen Bedingungen in den Minen zu arbeiten. Das führt dazu, dass Millionen Menschen ihre Heimat verlassen müssen und Tausende Menschen getötet werden.

Die Ausstellung „Menschen auf der Flucht“ ist in gestaltete Räume gegliedert, die im LKW eingebaut sind. Die Besucherinnen und Besucher  schlüpfen in die Rolle eines Flüchtenden und erleben verschiedene Stationen der Flucht: Pack dein Leben zusammen, heißt die erste. Was musst du mitnehmen? „Ich habe meine Klamotten eingepackt und natürlich was zu essen“, sagte eine Schülerin, „jetzt weiß ich, dass der Pass und Zeugnisse viel wichtiger sind als Klamotten, um nach der Flucht eine Arbeit zu finden." In den nächsten Stationen konnte nachempfunden werden, wie schwierig es ist und was es bedeutet, Schutz und Unterschlupf zu finden, wie unerträglich es ist, die Ungewissheit auszuhalten, was mit der eigenen Familie geschehen ist. In der nächsten Hörstation wird erzählt, wo Flüchtende Hilfe finden, welche Angebote an Soforthilfe und Trauma-Arbeit kirchliche Partner in den betroffenen Gebieten machen.

„Ich war überrascht, dass mehr als 60 Prozent der 65,6 Millionen Menschen, die 2016 weltweit auf der Flucht waren, Binnenflüchtlinge, also Menschen sind, die im eignen Land auf der Flucht sind“, sagte eine Schülerin kopfschüttelnd. „Die wollen ihr Land, ihre Heimat überhaupt nicht verlassen, die wollen in Frieden leben. Und wir reden hier oft über Wirtschaftsflüchtlinge und meist nur über unsere Ängste.“

„Ich habe einen neuen Einblick bekommen“, war das Resümee eines Schülers. „Wir sollten genauer hinschauen, ob die großen Handyhersteller, die Unsummen verdienen, auch faires Coltan aus staatlichen Minen kaufen. Gelernt haben wir, dass alte Handys viel zu schade sind zum Wegwerfen. In ihnen sind wertvolle Metalle, die recycelt werden können zum Beispiel bei der Aktion Schutzengel."

Der Truck war cool, so die übereinstimmende Meinung. Vielen Dank dem Evangelischen Dekanat Vorderer Odenwald und dem Katholischen Dekanat Dieburg, die den Truck für uns nach Dieburg geholt haben.
Ruth Selzer-Breuninger