"Wir müssen da irgendwie heil rauskommen!"

podium notfallseelsorge hp1Notfallseelsorge lädt ein zum ersten Podium in Dieburger Kirche

Überraschend viele Medienvertreter waren zum 1. Podium in die Dieburger Kirche gekommen, das unter dem Thema stand: "Notfallseelsorge - Was sie ist? Wer sie macht? Wem sie hilft?" Gleich zu Beginn erläuterte der ehrenamtliche Notfall-Seelsorger (NfS) Alexander Krahmer den rund 40 Besuchern die Gründe für dieses Podium. "Wir wollen einerseits zeigen, wo überall Kirche präsent ist, und andererseits natürlich Interessierte für unsere Arbeit gewinnen." Schwerpunkt des gut zweistündigen Abends bildete ein Diavortrag von Pfarrer Winfried Steinhaus, der federführend für die NfS im Landkreis Darmstadt-Dieburg zuständig ist. In einer rund einstündigen multimedialen Einführung versuchte er erschöpfend die Eingangsfragen nach dem "was? wer? wem?" zu beantworten. Die Anfänge der NfS, so Steinhaus, lagen in den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts und seien alles andere als einfach gewesen. Von Seiten der Kirche wie der Behörden sei man skeptisch gegenüber diesem Angebot gewesen. Es sei vor allem dem Einsatz und der Pionierarbeit von Pfarrer Andreas Mann geschuldet, dass man die Sinnhaftigkeit einer NfS erkannt habe. Im Jahre 1998 sei ein ökumenisches NfS-Team gegründet worden, und zwei Jahre später wurden dann von der evangelischen Landeskirche (EKHN) drei Pilotstellen für die NfS in Frankfurt, Wiesbaden und dem Landkreis Darmstadt-Dieburg eingerichtet worden. Zu dieser Entwicklung habe wesentlich die ICE-Katastrophe von Eschede aus dem Jahre 1998 dazu beigetragen.

podium notfallseelsorge hp2Die NfS würde zumeist zu Autounfällen und zu Einsätzen im häuslichen Bereich gerufen, um die Polizeikräfte oder Feuerwehr vor Ort zu  entlasten, in dem sie sich um die Betroffenen kümmerten. Das Angebot, so Steinhaus, sei dabei an keiner Religionszugehörigkeit gebunden. Das die Arbeit für die Helferinnen und Helfer selbst zum Teil sehr belastend sei, wurde anhand der zum Teil drastischen Bilder deutlich, die Steinhaus zeigte. "Wir führen Nachsorgegespräche und tauschen uns regelmäßig aus. Denn eins ist für uns klar: Wir müssen da immer wieder selbst heil rauskommen." Nach einer kleinen musikalischen Erholungspause, die von dem Trio Susanne und Mareike Grimm (Querflöten) und Rolf Baier (E-Piano) geboten wurde, gingen noch Vertreter von der Polizei, der Feuerwehr und einem Notarzt auf Fragen des Publikums ein. So wies Klaus Pauls, Leiter der Polizeidienststelle in Dieburg auf die Rolle der NfS vor Ort hin. "Wir haben oft keine Zeit uns um die Betroffenen zu kümmern. Wir müssen den Unfallort sichern, oder Spuren sichern." Und Hauptkommissar Wolfgang Herberg von der Kripo Darmstadt ergänzte: "Wir müssen uns oft um kriminalistische Dinge kümmern, daher sind wir für den seelsorgerlichen Einsatz der gelben Engel dankbar." Was denn die Feuerwehr von den NfS bräuchte, wollte ein anderer Besucher wissen. Kreisbrandmeister Frank Schumann von der Feuerwehr im Landkreis wies auf die belastenden Erlebnisse gerade junger Feuerwehrleute hin, die teilweise grauenhafte Dinge mit ansehen müssten. "Da bin ich ganz froh dass wir Pfarrer Steinhaus und das NfS-Team hier haben, wo man über das Erlebte sprechen kann, um nicht damit alleine sein zu müssen." Das nächste Podium soll, so die Veranstalter, im Frühjahr 2011 stattfinden und sich mit dem Thema Hospizarbeit befassen. Mehr Infos zu den NfS gibt es unter: Notfallseelsorge.