"Flüchtlingspolitik ist ein Skandal!"

vortrag volker jung hp1Kirchenpräsident Volker Jung referiert über Klimawandel

Ort und Anlass waren gut gewählt, um in einer vollbesetzten Kirche über "Klimawandel in Kirche und Gesellschaft" zu referieren. Und das tat der Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) Dr. Volker Jung. Er war einer Einladung des Evangelischen Dekanats Vorderer Odenwald gefolgt und sprach vor über 100 Zuhörern in der Stadtkirche Babenhausen. Diese feiert in diesem Jahr ihr 750-jähriges Jubiläum. In drei Stichworten umriss der Kirchenpräsident das Thema: Weniger, vielfältiger, vernetzter. Es sei eine Tatsache, so Jung, dass die Zahl der Mitglieder weniger werde. Seien heute noch über 1,7 Millionen Christen in der EKHN, werden es laut einer Prognose im Jahre 2015 nur noch 1,5 Millionen Menschen sein. "Wir müssen diesen Wandel gestalten. Wachsen gegen den Trend, wie es ein kirchliches Papier forderte, ist daher unrealistisch. Es kommt auf die Qualität und nicht die Quantität an." vortrag volker jung hp2Das gelte auch für das wirtschaftliche Wachstum, so Jung. Brauche etwa der Frankfurter Flughafen tatsächlich noch mehr Landebahnen? Der Fluglärm belaste schon heute die Menschen, weshalb die EKHN sich vehement für das Nachtflugverbot einsetze. Diesen Einsatz zeige Kirche auch, wenn es um ein mutiges Gestalten der Vielfalt in der heutigen Welt gehe. "Unsere Gesellschaft ist zwar christlich geprägt, doch der Zuzug von Migranten und Menschen aus anderen Ländern hat neue Kulturen und fremde Religionen in unser Land gebracht." Vielfalt gelinge daher nur, so Jung weiter, wenn "ein Dialog auf Augenhöhe gelinge und alle bereit sind sich zu verändern." Eine gute Bildung sei hierfür Voraussetzung. In diesen Zusammenhang lud Jung die Besucher ein, die Klimaausstellung von Babenhäuser Schülern, die derzeit in der Stadtkirche zu besichtigen ist, sich anzuschauen. Im Letzten Stichwort vortrag volker jung hp3"Vernetzter" ging er auf das Internet und die neuen Kommunikationsmedien ein. Nicht immer verstünde er wie etwas funktioniere, weshalb er hin und wieder seine Tochter frage. "Als Christen ist uns der Gedanke der Vernetzung aber nicht fremd. Der Apostel Paulus spricht vom Leib Christi und das alle Glieder zusammengehören. Deshalb kann es uns nicht egal sein, wenn Schwestern und Brüder in anderen Ländern unter den von uns verursachten Klimaschäden leiden."  In seinem gut einstündigen Vortrag schritt Jung bildlich gesprochen viele Bereiche ab: den Hörsaal (Bildung), den Acker (Ökologie), die Börse (Finanzen), den Dorfplatz (Flughafenausbau) und den Leib Christi (Kirche). Zu allem sagte er kluges und richtiges, ohne jedoch genauer auf die einzelnen Bereiche einzugehen. Als Beauftragter für Flüchtlingsfragen innerhalb der EKD hätte man sich vom Kirchenpräsidenten gleichwohl eine deutlichere Stellungnahme zur Flüchtlingspolitik gewünscht, die er immerhin als "einen europäischen Skandal", auch angesichts syrischer Flüchtlinge, bezeichnete. Im Rahmen des Jahresthemas "Klimawandel" des Dekanats wird als nächstes der bekannte Theologe und Autor Prof. Dr. Paul Zulehner am 16. Mai um 20 Uhr im Kaisersaal des Schloßes Lichtenberg über "Kirchenvsionen" einen Vortrag halten.