Neuer Kurs für Notfallseelsorger beginnt

Informationsabend am 8. Januar 2015 in Groß-Umstadt

NFS PartnerHP2Darmstadt-Dieburg. Der Partner stirbt bei einem Verkehrsunfall, ein naher Angehöriger begeht Suizid, das Kind kommt bei einem Sturz ums Leben, der Ehepartner geht auf seine Frau los. Für die Betroffenen ein Ausnahmezustand. „Notfallseelsorger wissen, dass jemand am Notfall zerbrechen kann, wenn er zu lange alleine ist“, sagt Heiko Ruff-Kapraun, Leiter der Notfallseelsorge Darmstadt-Dieburg. „Deshalb ist es wichtig, die Menschen in den ersten Stunden zu begleiten.“

Die ökumenische Notfallseelsorge Darmstadt-Dieburg ist beim Evangelischen Dekanat Vorderer Odenwald in Groß-Umstadt angesiedelt. Sie besteht aus einem knapp 20-köpfigen Team und ist zuständig für den östlichen Teil des Landkreises. Notfallseelsorge versteht sich als Erste Hilfe für die Seele. Sie ist mittlerweile ein festes Glied in der Rettungskette, rund um die Uhr rufbereit, innerhalb von 30 Minuten vor Ort und wird über die Rettungsleitstelle per Notruf 112 alarmiert. „Im Notfall friert man ein, wir vernetzen die Betroffenen wieder“, sagt Heiko Ruff-Kapraun. Es geht darum, einfach da zu sein, den Betroffenen zuzusprechen, ihnen Halt zu geben, mit ihnen trotz Schmerz und Trauer einen vorsichtigen Schritt in Richtung Zukunft zu gehen und möglichst schnell eine Schatzkiste für die guten Erinnerungen anzulegen, wie Ruff-Kapraun es beschreibt.

„So kann ich meinen Glauben leben“
Die Babenhäuserin Iris Schüßler-Korb (52) ist seit acht Jahren Notfallseelsorgerin. „Mir war es wichtig, die Menschen in ihrer ärgsten Not nicht alleine zu lassen und ihnen beizustehen“, sagt sie, „so kann ich meinen Glauben leben.“ Das Team gibt Rückhalt, die Notfallseelsorger können sich aufeinander verlassen. Bereut hat Iris Schüßler-Korb es noch nie, dieses Ehrenamt angenommen zu haben. Jeder Einsatz sei anders, aus jedem nehme sie eine neue Erfahrung mit. „Ich habe viel bekommen im Leben und möchte gerne davon etwas weitergeben“, sagt der international tätige Coach Ralf Friedrich (49) aus Dieburg, der seit 2013 ehrenamtlich als Notfallseelsorger tätig ist. Es sei erfüllend, jemanden in schweren Zeiten begleiten zu können. „Das ist schon eine sehr dankbare Tätigkeit. Seitdem lebe ich mein Leben bewusster.“

„Viele, die ich anspreche, trauen sich die Aufgabe nicht zu, aber die meisten Menschen haben mehr Kraft und Fähigkeiten für diese Aufgabe als ihnen bewusst ist“, sagt Heiko Ruff-Kapraun. Und so hat er in der Ausbildungsgruppe auch schon die Aussage gehört: „Als ich mit der Aufgabe begann, wusste ich nicht, dass ich so vieles schon mitbringe.“ Notfallseelsorger brauchen Geduld, Ausdauer, ein offenes Ohr, Mitgefühl und Lebenserfahrung. Das Team federt ab und fängt auf. „Wir sind einander verlässlich“, sagt Ruff-Kapraun. Viele sagten, es sei eine schöne Aufgabe, schnell helfen zu können.

Am Freitag, 16. Januar, beginnt ein neuer Kurs für Menschen, die ehrenamtlich als Notfallseelsorgerin oder Notfallseelsorger tätig werden möchten. Die Ausbildung umfasst 70 Stunden – zwei Mal eineinhalb Tage plus zehn Abende –, dauert bis Mai und ist kostenlos. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer lernen unter anderem Gesprächsführung, den Umgang mit seelischen Belastungen und die Zusammenarbeit mit der Rettungskette. Zudem werden Kenntnisse der Psychotraumatologie vermittelt. Einen Informationsabend gibt es am Donnerstag, 8. Januar, 17 Uhr, im Evangelischen Dekanat Vorderer Odenwald, Am Darmstädter Schloß 2, in Groß-Umstadt.

Kontakt: Heiko Ruff-Kapraun, Telefon (0171) 37 44 999, E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Foto: Notfallseelsorger können sich auch im Team aufeinander verlassen: Iris Schüßler-Korb und Ralf Friedrich.