Große Frauen der Reformation

Doch sie bleiben weitgehend unsichtbar - Sitzung des Dekanatsfrauenausschusses in Georgenhausen-Zeilhard

Katharina von BoraWenn von Reformation die Rede ist, so fallen uns meist Namen wie Martin Luther, Philipp Melanchthon, Johannes Calvin, Jan Hus, Ulrich Zwingli oder Martin Bucer ein. Fragen wir nach Frauen aus dieser Zeit, so ist die einzige bekannte Figur oft  „Katharina von Bora“.

Auch die 13 Frauen, die sich trotz Grippewelle im Gemeindehaus in Georgenhausen versammelt hatten, kamen bei der Frage nach Namen bekannter Reformatorinnen zunächst ins Grübeln.

Ausgehend von einem von Frau König (KG Georgenhausen) vorgetragenen und von der leider erkrankten Pfrarrerin Claudia Kühnle formulierten Text zu den Grundsätzen der Reformation, wurde gemeinsam überlegt,  wie es dazu kommen konnte, dass die Verdienste von Frauen um die Reformation heute weitgehend unsichtbar sind.

DFAHPAls entscheidende Faktoren dafür, dass die anfängliche emanzipatorische Aufbruchsstimmung  in der Reformationszeit relativ schnell verschwand, wurden eine männlich dominierte Theologie sowie die gesellschaftlichen Normen und Machtverhältnisse einer patriarchal geprägten Gesellschaft identifiziert. Auch wenn heutigen Frauen so manche Argumentation heute geradezu absurd erscheint, etwa „das Weib schweige in der Gemeinde“, sind die (Nach-)Wirkungen im Lebensalltag und im Selbstverständnis von Frauen bis heute zu spüren.DFA2HP
Dass die Reformation jedoch nicht nur von den allseits bekannten Männern geprägt und durchgesetzt wurde, zeigten eindrucksvoll die von Irmgard Sykora  präsentierten Biografien wichtiger Frauen der Reformation. Angefangen von der Flugschriftautorin Argula von Crumbach, über die  Fürstin und Verfasserin theologischer Schriften Elisabeth von Calenberg-Göttingen, bis zu Katharina Zell, einer Reformatorin und Predigerin der ersten Stunde.

Das Fazit des Abends könnte mit den folgenden Worten zusammengefasst werden: Seit den Anfängen der Reformation treten evangelische Frauen öffentlich auf – und sie  sind heute die Mehrheit bei den Beschäftigten und Ehrenamtlichen. Sie sind, genauso wie die mutigen Frauen der frühen Reformationszeit, ein gewaltiges Reservoir, um Selbstbewusstsein zu schöpfen. Sie haben eine sensible Erinnerungskultur verdient.Was die Botschaft der frühen Reformatorinnen für evangelische Christinnen heute heißen könnte, soll bei der nächsten Veranstaltung am  24. Juni im evangelischen Gemeindehaus in Lengfeld vertieft werden.       Andrea Alt