Aufkreuzen und ankreuzen in der Kirche

1,5 Millionen Evangelische wählen am 26. April neue Kirchenvorstände/Banner werden derzeit gehängt
KV WahlHPRund 1,5 Millionen Wahlberechtigte der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) sind am 26. April dazu aufgerufen, über die Vorstände der 1.151 Gemeinden in Hessen und Rheinland-Pfalz abzustimmen. Zur Wahl stehen dann mehr als 15.000 Kandidatinnen und Kandidaten für etwa 11.000 Sitze in den evangelischen Leitungsgremien vor Ort. Am Dienstag (17. März) ist dazu in der Frankfurter Lutherkirche parallel zum Versand der Wahlunterlagen die heiße Phase der Vorbereitungen eröffnet worden. Große Banner und Fahnen schmücken die Kirchen des Dekanats und das Darmstädter Schloss, in dem das Dekanat Vorderer Odenwald beheimatet ist.

Der hessen-nassauische Kirchenpräsident Dr. Volker Jung bezeichnete die ehrenamtliche Leitungskultur und breite Partizipation als „Grundpfeiler“ der evangelischen Kirche. „Ehrenamtliches Engagement und ehrenamtliche Leitung in verantwortlicher Rolle sind in der evangelischen Kirche untrennbar und unverzichtbar“, so Jung. Er hoffe darauf, dass sich viele Kirchenmitglieder von dem Motto der aktuellen Wahl „aufkreuzen und ankreuzen“ anstecken ließen, um mitzuentscheiden, „wie das Gesicht der neuen Kirchenvorstände und damit unserer Kirche für die nächsten sechs Jahre aussieht“.

Mit Jugendlichen Neuland betreten
Wahlberechtigt sind Evangelische bereits ab einem Alter von 14 Jahren. Erstmals dürfen auch Jugenddelegierte in die jeweiligen Kirchenvorstände gewählt werden, selbst wenn sie noch nicht volljährig sind. Nach Worten von Oberkirchenrätin Petra Zander von der Kirchenverwaltung betritt die EKHN damit „völliges Neuland“. Weder im staatlichen noch im kirchlichen Bereich gäbe es bisher „ein Vorbild für solch eine weitreichende Regelung und Möglichkeit der Mitarbeit von Jugenddelegierten in einem Vorstand“, erläuterte die für die Wahlen mitverantwortliche Juristin. Bis zu zwei Jugendliche dürfen demnach an den Sitzungen des Leitungsgremiums mit beratender Stimme teilnehmen. Sie haben dabei Rede- und Antragsrecht. Sobald sie volljährig und damit geschäftsfähig sind, erhalten sie automatisch auch das Stimmrecht. Bis Mitte März hatten sich bereits über 100 Jugendliche für die Aufgabe bereiterklärt. Die Vorsitzende der Evangelischen Jugend in Hessen und Nassau (EJHN), Jasmin Meister, forderte, dass Jugendliche in der Kirche noch stärker „wahr und ernst genommen werden müssen“. Es reiche nicht aus zu sagen, „wir beteiligen Jugendliche ja sowieso schon“, so Meister. Deshalb unterstütze die EJHN die Kirchenvorstandswahlen und trete dafür ein, dass verstärkt Jugendliche in die Entscheidungsgremien der Gemeinden kommen.

Nur echte Gesichter werben für die Wahlen
Für die Wahl wirbt die hessen-nassauische Kirche in diesem Jahr mit dem Slogan: „Evangelisch. Meine Wahl! Kirchenvorstand 2015“ sowie dem ergänzenden Motto „aufkreuzen und ankreuzen“. Ein Grundprinzip der aktuellen Kommunikationsstrategie ist, dass auf Plakaten nur mit echten Gesichtern geworben wird und nicht etwa mit Fotomodellen, denn die Kirchenvorstände gelten als das „Gesicht der Gemeinde“. Dazu können per Internet personalisierte Plakate mit den jeweiligen Kandidaten vor Ort in wenigen Minuten erstellt werden. Darüber hinaus bietet die Gesamtkirche eine Reihe von Druckvorlagen für Gemeindebriefe über Ideen für das Internet bis zu acht Meter langen Fassadenbannern an. Bisher haben die Kirchengemeinden bereits über 1.200 Großbanner und Fahnen angefordert. Für Jugendliche hat die Evangelische Jugend in Hessen und Nassau außerdem eigene freche Motive für Postkarten entwickelt, die beispielsweise in der Kirche engagierte Mädchen und Jungen in Aktion zeigen. Zudem sollen Jüngere verstärkt im Internet über sozialen Medien wie Facebook angesprochen werden. Banner
„Karte Deines Glaubens“ geht auf Reisen
Die evangelische Kirche nutzt die millionenfache Verteilung der Wahlunterlagen gleichzeitig dazu, eine besondere „Impuls-Post“ auszusenden. Mit den Benachrichtigungen macht sich eine „Karte Deines Glaubens“ auf den Weg zu den Mitgliedern. Sie soll zum Nachdenken über die eigene Position im Leben anregen. Spielerisch kann sich dabei jeder auf eine Reise beispielsweise vom „Wald des Fragens“ über die „Wüste des Zweifelns“ bis ins „Land der Hoffnung“ machen. Die Rückseite der faltbaren Landkarte enthält darüber hinaus als Ergänzung zu dem Wahlaufruf wertvolle Informationen zum Aufbau und der Geschichte der hessen-nassauischen Kirche. Erstmals geht auch eine spezielle Variante der „Impuls-Post“ an Jugendliche bis 16 Jahren, in der aufgezeigt wird, was die Kirche als „Netzwerk Gottes“ für sie alles bieten kann.  

Spiel „Was glaubst Du?“ ist am Start
Passend zu der „Karte Deines Glaubens“ ist auch das spezielle Gesellschaftsspiel „Was glaubst Du“? erhältlich. Mit viel Menschenkenntnis, psychologischem Feinsinn und einer ordentlichen Portion Humor geht es bei „Was glaubst Du?“ darum, die Lebenseinstellungen der Mitspieler zu ergründen. Manche Überraschung ist dabei garantiert. Viele Fragen lassen Antworten zu, über die alle herzlich lachen können. Andere haben das Potenzial zum Ausgangspunkt spannender Diskussionen zu werden. Erhältlich ist das Spiel für drei bis sechs Spielerinnen und Spieler ab 12 Jahren Ende April zum Einführungspreis von 14,80 Eur.
Mehr Informationen zum Spiel und Vorbestellung: https://shop.ekhn.de/ und E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!.


HINTERGRUND

Kirchenvorstandswahlen: Von der Basis her
Über die Zusammensetzung der Kirchenvorstände wird den demokratischen Regeln gemäß in „gleicher, freier, allgemeiner, geheimer und unmittelbarer Wahl“ entschieden. Je nach Größe der Gemeinde umfasst das Gremium zwischen vier und maximal 21 Mitgliedern. Die EKHN baut sich von der Basis her auf. Nach dem Amtsantritt wählen die neuen Kirchenvorstände deshalb in den Ortsgemeinden jeweils Delegierte in die Dekanatssynoden der evangelischen Kirche in der Region, die wiederum die Mitglieder der Kirchensynode bestimmen, des obersten Gremiums der EKHN. Kirchenvorstände in der EKHN werden jeweils für einen Zeitraum von sechs Jahren gewählt. Die letzte Wahl fand im Jahr 2009 statt. Nach der Abstimmung am 26. April 2015 wird die neue Wahlperiode am 1. September beginnen. Danach werden dann auch die Mitglieder der Dekanatssynoden und der Kirchensynode neu gewählt. Für alle neuen Kirchenvorstände wird es zudem am 22. September in Gießen eine groß angelegte Ideenmesse unter dem Motto „Lust auf Gemeinde“ geben.

Aufgaben des Kirchenvorstands: Mit voller Verantwortung
Die Aufgabe des Kirchenvorstandes ist die Leitung der Gemeinde. Es soll beispielsweise das christliche Leben fördern. Er trägt aber auch Verantwortung für diakonische Dienste und die Seelsorge. Er soll auch die Kinder- und Jugendarbeit sowie kulturelle Angebote in der Gemeinde fördern und neue Formen des Gemeindelebens erproben. Der Kirchenvorstand wählt zudem die Pfarrerin und den Pfarrer der Gemeinde. Im Kirchenvorstand haben die Geistlichen dann ebenso wie die übrigen Mitglieder nur eine Stimme. Vorsitzender und Vorsitzende des Kirchenvorstands soll nach Möglichkeit nicht der Pfarrer oder die Pfarrerin sein, auf jeden Fall ist zumindest der stellvertretende Vorsitz ehrenamtlich tätig.


Mehr Informationen im Internet:
www.meinewahl.de
www.meinewahl.de/jugend

Text: EKHN/Fotos: Michael Merbitz-Zahradnik (oben)/Silke Rummel