„Die Bedeutung der Einschulung ist gewachsen“

Schulanfangsgottesdienste haben Tradition – Insbesondere bei den ABC-Schützen ist die Kirche proppenvoll – Das Pfarrerehepaar Burkholz im GesprächSchulanfangsgodi HP
Die großen Ferien neigen sich dem Ende zu, nächste Woche beginnt für die hessischen Schülerinnen und Schüler das neue Schuljahr – in vielen Orten mit einem Schulanfangsgottesdienst. Für Schulanfänger wird der immer mehr zum Großereignis. Ein Gespräch mit dem Pfarrerehepaar Elke und Albrecht Burkholz aus Messel.

Seit wann gibt es in Messel Schulanfangsgottesdienste?
Elke Burkholz: Schon immer.
Albrecht Burkholz: Jedenfalls ist uns kein Anfang bekannt.

Warum sind Schulanfangsgottesdienste wichtig?
Elke Burkholz: Es ist ein Einstieg in das neue Schuljahr für die Kinder der Klassen 2 bis 4. Sie können sich ein bisschen aufwärmen und schon aufeinander einstellen.
Albrecht Burkholz: Und für die Erstklässler und ihre Familien ist es der Übergang in eine neue Lebensphase.
Elke Burkholz: Für die Schule insgesamt ist es eine Gemeinsamkeit, es ist etwas, das man zusammen macht. Dieser gemeinsame Anfang in diesem Übergang von den Ferien ins neue Schuljahr ist wichtig.
Albrecht Burkholz: Da die Grundschule in Messel keine Aula hat, sind die Kirchen in Messel wichtige Versammlungsorte, die auch groß genug sind.

BurkholzWie laufen die Schulanfangsgottesdienst ab?
Elke Burkholz: Die Klassen 2 bis 4 fangen am Montag um 8.30 Uhr an und gehen gemeinsam in die Kirche – jährlich wechselnd in die evangelische und die katholische –, setzen sich dort klassenweise mit den Lehrerinnen in die Reihen. Von katholischer und evangelischer Seite wird ein ökumenischer Gottesdienst gestaltet, an dem die vierten Klassen beteiligt sind.
Albrecht Burkholz: Als wir vor 22 Jahren nach Messel gekommen sind, war der ABC-Schützen-Gottesdienst auch abwechselnd in der evangelischen und katholischen Kirche. Mit den Jahren ist der Anlass Einschulung aber so groß geworden – die ganze Familie ist dann mitgekommen –, dass die katholische Kirche zu klein wurde. Seit etwa zehn Jahren sind wir nur noch in der evangelischen Kirche.
Elke Burkholz: Aber es ist auch ein ökumenischer Gottesdienst. Die Kinder sitzen vorne in den ersten Reihen, die Lehrerinnen lesen Fürbitten, die Kinder sind mit einem Segen an dem Gottesdienst beteiligt. Die Kirche ist richtig voll, es kommen Großeltern und Paten mit und oft wird noch am Mittag, wenn die Kinder aus der Schule zurück sind, die Einschulung mit den ganzen Gästen gefeiert.
Albrecht Burkholz: Früher habe ich den Gottesdienst ohne Küster gemacht. Inzwischen kommen Elke und einige aus dem Kirchenvorstand mit. Man muss das organisieren. Die Kinder kommen mit Schultüte und Schulranzen. Sie müssen sich trauen vorne hinzugehen – im Kirchenraum werden Schulranzen und Schultüten abgelegt. Dann setzen sie sich in die ersten Reihen, man muss gucken, dass sie nicht zu gequetscht sitzen.

Der Zulauf ist ja enorm. Wieso haben Schulanfangsgottesdienste derart an Bedeutung gewonnen?  
Elke Burkholz: Die Bedeutung der Einschulung ist gewachsen. In den Familien wird die Schulkarriere der Kinder als etwas sehr wichtiges betrachtet. Da wird darauf hingefiebert, da wird drüber geredet, da werden die Kinder instruiert, wie sie sich in der Schule benehmen sollen. Es ist ein wichtiger Übergang geworden, an dem die ganzen Familien teilnehmen, auch weil die Kinder in den Familien wichtiger sind. Es gibt weniger und die werden von allen Seiten mehr beachtet.
Albrecht Burkholz: Ich habe kürzlich in der Metzgerei eine Mutter getroffen, deren einziges Kind jetzt in die Schule kommt. Für sie ist es ein ziemlicher Übergang: Die Kindergartenphase ihres einzigen Kindes ist beendet.

Ist da auch ein wenig Trauer dabei?
Elke Burkholz: Nein, Trauer würde ich nicht sagen, aber Angst. Die Familien stehen schon unter Spannung, was die Frage angeht: Wie wird mein Kind in der Schule klarkommen? Es ist eine spannungsreiche Situation.

Auch für die Pfarrerinnen und Pfarrer?
Elke Burkholz: Nein, das nicht. Aber es ein volkskirchliches Ereignis, an dem alle kommen. Das ist etwas Besonderes. Wann erreicht man schon ein so breites Spektrum der Bevölkerung mit einem Gottesdienst?

Welche Botschaft werden Sie übermitteln?
Elke Burkholz: Ihr seid geschützt und gesegnet.


Das Gespräch führte Silke Rummel.
Bildtexte: Bei den Einschulungsgottesdiensten herrscht ziemliches Gewusel in der evangelischen Kirche in Messel. Elke und Albrecht Burkholz sind hier die Pfarrer.

SCHULANFANGSGOTTESDIENSTE IM DEKANAT VORDERER ODENWALD - Ein Auszug

Altheim

„Von Swimmy, dem kleinen Fisch lernen – klein, und doch wichtig, denn gemeinsam kann man es schaffen“ ist das Thema des ökumenischen Schulanfangsgottesdienstes am Freitag, 11. September, 9 Uhr, in der evangelischen Kirche. Der Gottesdienst ist für die ganze Schule und wurde von Pfarrer Ulrich Möbus mit Schulleiterin und religionsunterrichtenden Mitgliedern des Kollegiums vorbereitet.  

Groß-Bieberau
Dort gibt es jedes Jahr einen Gottesdienst für Schulanfänger und einen für die Klassen zwei bis vier. Dazu nimmt die Kirchengemeinde die Aktion „Lesen in Gottes Welt“ (Evangelisches Literaturportal) zur Hilfe und verteilen die Geschenkbeutelchen. Den Gottesdienst macht Pfarrer Sebastian Bähringer zusammen mit der katholischen Gemeindereferentin und einigen Religionslehrerinnen.

Klein-Umstadt
Der erste Schulanfangsgottesdienst für die Kinder der zweiten bis vierten Klasse ist am  Montag, 7. September, 10 Uhr, mit der Aktion: „Wir backen einen Schuljahreskuchen!“ Mehl = Schüler, Lehrer = Butter, Lernstoff= Zucker, Noten= Zitronen, Pausen = Milch; Schulordnung = Messerspitze Salz und Nächstenliebe = Eier
Der Schultütengottesdienst für die Schulanfänger ist am Dienstag, 8. September, 9  Uhr, mit einem Wecker und dem Tagesablauf eines Schulkindes (Faltkarte).
Beide Gottesdienste sind ökumenisch und finden in der Wehrkirche statt.

Reichelsheim
Am Montag, 7. September, ist der Gottesdienst zum Schulstart in der Grundschule mit Beteiligung der 3. Klasse, die ein Stück zum roten Faden aufführen, am Dienstag, 8. September, der ökumenische Gottesdienst zur Einschulung mit demselben Stück und Karabinerhaken „Segen ist Einhaken bei Gott“ mit Fürbitten der Kinder und der Eltern. In der Georg-August-Zinn-Schule findet ein Schulanfangsgottesdienst am Freitag, 11. September, in der ersten Stunde statt, das Thema legt Schulpfarrer Dieter Keim fest.
 
Schaafheim und Mosbach
Die Schulanfangsgottesdienste sind am Montag, 7. September, 18 Uhr, in Mosbach und am Dienstag, 8. September, 9 Uhr, in Schaafheim.

Semd
Der Gottesdienst zum Schulanfang ist am Dienstag, 8. September, 9 Uhr. Thema: Die Gaben der Kinder sind wie Schätze – Michel von Lönneberga – bei der Versteigerung. Alle drei Schuljahrgänge bringen sich ein; der Gottesdienst wurde von Pfarrerin Bettina von Bremen und der Schule vorbereitet.

Wiebelsbach-Heubach
Pfarrerin Evelyn Bachler und die katholischen KollegInnen bereiten den Gottesdienst gemeinsam vor.
Dieses Jahr ist das Thema „Gottes Segen ist wie ein großer HUT“ (Psalm 91, 10+11) und einer Geschichte von Schmuddel  (Janosch ). In Heubach ist der Schulanfangsgottesdienst am Montag, 7. September, 9 Uhr, in der reformierten Kirche, in Wiebelsbach am Dienstag, 8. September, 10 Uhr, in der katholischen Kirche.

Winterkasten
Da auf dem Gebiet der Kirchengemeinde keine Schule liegt, werden alle Schulkinder (die Schulanfänger und die Schulwechsler 5./6. Klasse schriftlich) zu einem Familiengottesdienst zum Schulanfang am Sonntag vor Schulbeginn um 10.30 Uhr in die Kirche eingeladen. Der Gottesdienst ist stark kindorientiert mit einem besonderen Segen vor dem Altar für die Schulkinder und einem kleinen Give away, meist ein Kreuz, in diesem Jahr ein Engel. Thema 2015: Wer bin ich und wer bist du? Die Kinder finden sich in einem Zauberspiegel wieder und es kommt nicht darauf an, der/die Schönste oder Beste zu sein. Aufhänger ist das Märchen von Schneewittchen, gespielt mit Fingerpuppen.