Vom Otzberg ins Ried

Zwölf Jahre war Martin Müller Pfarrer in den Evangelischen Kirchengemeinden Lengfeld und Habitzheim/Am Sonntag, 11. Oktober, 14 Uhr, wird er in Habitzheim verabschiedet
MartinMuellerHP„Es ist Zeit für eine Veränderung“, sagt Pfarrer Martin Müller. Und die wird sogar physisch spürbar sein, denn es geht in die Ebene des Rieds, genauer gesagt nach Groß-Rohrheim. Der 58-Jährige nimmt es gelassen: „Die Odenwälder Hügel sind nicht weit.“ Für ihn hat das flache Ried den Vorteil, dass er wieder mehr Fahrrad fahren will. Für die Familie werde es allerdings eine „größere Sache“, so Müller. Denn zwei der drei Kinder sind  schulpflichtig und müssen nun mitten im Schuljahr wechseln.

Seit 2003 war Martin Müller Pfarrer in Lengfeld und Habitzheim, die dem Kirchspiel Otzberg angehören. Das wiederum hat im Evangelischen Dekanat Vorderer Odenwald gewissermaßen Modellcharakter. In den Otzberger Kirchengemeinden arbeiten die Pfarrer enger zusammen und tauschen sogar die Kanzeln. Vieles habe neu aufgebaut werden müssen, sagt Müller, wie etwa der Kindergottesdienst. In seiner Zeit seien zwei Otzberger Kinderkirchentage über die Bühne gegangen. Ein Novum war auch die Pfarrershochzeit im Jahr 2004. Das hatte es hier noch nicht gegeben – es war Müllers eigene. In Lengfeld konnte in seiner Zeit das Gemeindehaus erweitert und modernisiert werden.

Eine neue Aufgabe an einem neuen Ort
Der gebürtige Michelstädter hat in Heidelberg und Marburg studiert. Sein Spezialvikariat hat Müller in der Klinikseelsorge in Darmstadt gemacht, sein Vikariat in den Kirchengemeinden Sickenhofen/Hergershausen, danach war er in Eltville-Erbach-Kiedrich im Pfarrvikariat und anschließend acht Jahre lang in Güttersbach im Pfarramt. Bislang hatte Müller zwei unterschhiedliche Kirchengemeinden – Lengfeld reformiert, Habitzheim lutherisch –, zwei Kirchenvorstände und zwei sonntägliche Gottesdienste; in Groß-Rohrheim wird sich das ändern, da gibt es alles nur noch einmal. „Es ist schön, eine neue Aufgabe an einem neuen Ort zu haben“, sagt er.    

Eine Studienfahrt nach Sizilien gab für ihn den Ausschlag, Pfarrer zu werden. Dort erlebte er das Gemeinschaftsgefühl der Waldenser, sah, wie diese sich für Straßenkinder einsetzten, feierte den Gottesdienst und das Abendmahl mit und fühlte sich, obwohl er kaum Italienisch verstand, zugehörig. Das Gemeindeleben habe ihn an die Urchristen erinnert. Auf der Rückfahrt traf er noch im Zug die Entscheidung, Theologie zu studieren. Mit dem christlichen Glauben ist er groß geworden. Sein Vater sei 48 Jahre lang im Kirchenvorstand gewesen, er habe mit seinen Eltern immer gebetet und gesungen. „Die Tradition geschieht in der Familie – oder sie geschieht eben nicht.“

Die Arbeit mit Kindern macht ihm Freude, ebenso den Religionsunterricht. Auch singt er gerne – in Habitzheim hat er zuletzt als einziger Mann im Frauenchor gesungen. In Groß-Rohrheim will er auch wieder im Chor singen. „Singen im Chor ist Entspannung pur“, sagt der Pfarrer. Sein anderes Hobby geht nur bei Dunkelheit: Da schaut er mit dem Fernrohr in die Sterne. Er bewundere die Natur, sagt Müller, sei fasziniert „von der Schöpfung in ihrer Größe“.