Kritik am Bundeswehreinsatz in Syrien

Kirchenpräsident Dr. Volker Jung nimmt in seiner Predigt zum Abschluss der Feierlichkeiten zum Kanzeljubiläum in der Wehrkirche in Klein-Umstadt auch zu aktuellen Fragen StellungKP1HP
Mit einem besonderen Gottesdienst sind am Sonntag die Feierlichkeiten zum Kanzeljubiläum in der Wehrkirche in Klein-Umstadt zuende gegangen. Den Abschluss machte Dr. Volker Jung, Präsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, der bei seiner Erinnerung an die 500 Jahre alte Kanzel zu ganz aktuellen Fragen kam.
Jung bezog sich in seiner Predigt auf den Jakobusbrief, in dem es heißt: „So seid nun geduldig, liebe Brüder [und Schwestern], bis zum Kommen des Herrn. Siehe, der Bauer wartet auf die kostbare Frucht der Erde und ist dabei geduldig, bis sie empfange den Frühregen und Spätregen. Seid auch ihr geduldig und stärkt eure Herzen; denn das Kommen des Herrn ist nahe.“ (Jakobus 5,7-8) Geduld brauche es in vielerlei Hinsicht – sei es bei einer schweren Krankheit, in Trauersituationen oder um als junger Mensch seinen Platz im Leben zu finden. Manche Dinge müsse der Mensch geschehen lassen, weil er sie nicht ändern könne, umso wichtiger sei es zu erkennen, was er ändern könne. Glauben bedeute bei Jakobus aber nicht, dass man alles geduldig ertragen solle. „Geduld ist der lange Atem der Leidenschaft“, habe es ein Theologe mal sehr schön gesagt, sagte Volker Jung. Geduld bedeute, sich nicht entmutigen zu lassen, wenn es schwierig werde. Für Jakobus bedeute es vor allem auch, sich in Nächstenliebe zu üben und um die Armen zu kümmern.KP2HP

„Keine Alternative, Flüchtlinge an den Grenzen abzuweisen“
Das Jakobuswort sei gerade in diesen Tagen in mehrfacher Hinsicht hochaktuell. Da gehe es um die vielen Flüchtlinge, die Schutz und Hilfe suchten und um Obdachlose, die ein Dach über dem Kopf brauchen. „Für mich ist es keine Alternative, Flüchtlinge an den Grenzen abzuweisen“, sagte Volker Jung in dem Gottesdienst, an dem Kirchenvorstand, Posaunenchor, Kirchenchor und die Konfirmandinnen und Konfirmanden mitwirkten. Geduldig sein, mit Leidenschaft und Engagement gelte auch für die Weltklimakonferenz in Paris. Der dritte Punkt, den der Kirchenpräsident ansprach, war die Entscheidung des Bundestags, wonach die Bundeswehr sich künftig an den militärischen Einsätzen gegen den IS in Syrien beteiligt. „Ich bin mit der Entscheidung nicht zufrieden“, sagte Jung. Er hätte sich mehr Geduld gewünscht und habe große Sorge, dass die Soldaten in einen Einsatz geschickt würden, der mehr und mehr nach sich ziehe.

„Diese Kanzel wurde gebaut, damit von ihr gepredigt wird. Und predigen heißt: auf die Worte hören und sie weitersagen, auf die schon die Generationen vor uns gehört haben“, so Jung, „auf Worte, von denen wir glauben und hoffen, dass durch sie hindurch Gott zu uns spricht, weil er in seinem Sohn Jesus Christus hineingekommen ist, in diese Welt.“

KP4HPHintergrund
Die Sandsteinkanzel in der Klein-Umstädter Wehrkirche wurde 1515 errichtet, wahrscheinlich von Wilhelm Waise von Fauerbach. Sie hat bewegte Zeiten hinter sich – und war Schauplatz zahlreicher Auseinandersetzungen. Viele Predigten wurden von ihr aus gehalten. Die publicityträchtigsten waren sicherlich die, als sich der lutherische und der reformierte Pfarrer im 17. Jahrhundert gegenseitig die Herrschaft auf der Kanzel streitig machen wollten und es dabei auch durchaus handgreiflich zuging.

Im März predigte Pröpstin Karin Held von der Kanzel. Den Artikel dazu finden Sie hier.

Text + Bilder: Silke Rummel


Bildtexte:

Oben: Kirchenpräsident Dr. Volker Jung predigte anlässlich des 500. Geburtstags der Kanzel in der Wehrkirche in Klein-Umstadt.
Mitte: Im Anschluss gab es noch ein kleines Stelldichein in der Kirche.
Unten: Dr. Michael Vollmer,  Präses der Synode des Evangelischen Dekanats Vorderer Odenwald, bedankte sich mit einem Präsent bei Ilona Beckenhaub, der stellvertretenden Vorsitzenden des Klein-Umstädter Kirchenvorstands, und gratulierte Dr. Volker Jung zu seiner Wahl in den Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und zu seinem Amt als neuer Aufsichtsratsvorsitzender des Gemeinschaftswerks der Evangelischen Publizistik (GEP). Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik (GEP) in Frankfurt