„Geschäfte werden mit Menschen gemacht“

Evangelische Kirche startet Programm der Betriebsbesuche 2016 der bei KoppSchleiftechnik im Odenwald 
HM BB Kopp web 8Die richtig gute Zusammenarbeit mit den Mitarbeitern ist der wichtigste Faktor des Betriebs, ihre Zufriedenheit begründet für Achim Kopp den Erfolg. Da herrscht Einigkeit in der Firmenfamilie, und die Besucher erleben es: Parkett in der Produktionshalle, weil man besser steht. Auch hier viel Licht und Ein- wie Ausblicke, eine Infowand und eine monatliche Mitarbeiterzeitung, herausgegeben von der Geschäftsleitung, in der aber auch Artikel von Azubis stehen oder über Feste und Feiern berichtet wird. Und auch sonst ist das neue Firmengebäude des Familienbetriebs Kopp-Schleiftechnik in Winterkasten, einem Stadtteil von Lindenfels ein Haus mit Weitblick.
Hochtechnologie - mitten im Odenwald
Das hochmoderne Gebäude mit großen Fensterfronten bietet einen grandiosen Ausblick in den Odenwald. Die Verbundenheit des Betriebs mit rund 40 Mitarbeitenden zur Region wird mehr als deutlich. „Die Investition in den Standort ist für uns eine klare Entscheidung gewesen: wir sind hier groß geworden, wir haben Mitarbeitende aus der Region, die hier Arbeit finden und sind nicht ganz so abhängig von einem Autobahnanschluss“, nennt Achim Kopp die Beweggründe. Die 23 Besucherinnen und Besucher, die auf Einladung der Evangelischen Dekanate und des Zentrums für Gesellschaftliche Verantwortung der EKHN sich auf den Weg gemacht haben, staunen. Sie besuchen in diesem Jahr Betriebe unter dem Motto „Wir machen Türen auf“, die Maschinen für die Produktion herstellen. Es geht um Hochtechnologie – und das mitten im Odenwald.   

Der Firmengründer entdeckte eine Marktlücke
Noch ist alles neu, manches sucht noch seinen Ort. Der „Parkplatz“ für die Sackkarre aber ist festgelegt und die Abgrenzung der Laufwege und Arbeitsbereiche werden gerade beschriftet. Ordnung ist wichtig in einem Betrieb für Präzisionstechnologie. Das ist heute das Herzstück der Manufaktur, das macht den Namen Kopp aus für Luftfahrt, Energieversorger, Dentalmedizin und Werkzeughandel. Bohrer und Fräser der unterschiedlichsten Größe werden hier erzeugt oder repariert. Hochtechnologisierte Maschinen im Wert von 200.000 bis 400.000 Euro sind rund um die Uhr im Einsatz; Roboter, die aber von Menschenhand programmiert und gesteuert werden. Daneben stehen die alten blankgeputzten Maschinen, die immer noch täglich im Einsatz sind und an denen jeder Azubi lernt. Sie stammen noch vom Vater, Firmengründer in den 70ern und auch heute noch als Grandseigneur im Einsatz. Er war es, der aus der Praxis kam und die Marktlücke bemerkte: Präzisionsbohrer und Fräser, die für Qualität und Ergebnis stehen, egal ob es sich um das Implantat in der Mundhöhle dreht oder das Triebwerk des A380, eben „Vieles außer gewöhnlich“, wie es der neue Firmenslogan beschreibt. HM BB Kopp web 4

Plagiate gibt es, aber die Kunden mögen das Original
„Der Mix der Branchenbereiche, für die wir tätig sind, hat uns geholfen gut durch die Wirtschaftskrise 2009 zu kommen“, so auch Heike Kopp, die zusammen mit ihrem Mann zur Geschäftsführung gehört. Plagiate gibt es, aber sie sind kein Thema für die langjährigen Kunden, die sich auf Qualität in Material und Zerspanung verlassen können. Die Rohlinge kommen vor allem aus Deutschland, Österreich und China, mit Zertifikat. Die Kennzeichnung zur Nachverfolgung der Materialcharge sind Standard, ähnlich wie dem alten Steinmetzzeichen – nur digitalisiert. Zwei Azubis lernen den Schneidwerkzeugmechaniker – noch immer ein Zweig, der vor allem junge Männer interessiert. Oft ist das Praktikum der Einstieg in den Ausbildungsberuf.

Weiter geht es durch Fort- und Weiterbildung, zum Beispiel zum Zerspanungsmechaniker. Auch die nächste Generation der Familie Kopp ist schon mit dabei, der Nachwuchs hat sowohl in anderen, als auch im Familienunternehmen gelernt oder studiert.  

Bestnoten für Kopp-Schleiftechnik
Transparenz, so Kopp, ist nicht nur wichtig für die Kunden, sondern auch für Mitarbeitende. Gerade in Zeiten der Wirtschaftskrise wurde wöchentlich berichtet und Strategien gemeinsam durchdacht. Der Chef reist in Sachen Mitarbeiterkultur durch die Lande und hält Vorträge. Dazu gehört eine gute Beziehung, Kommunikation und  Transparenz, Verantwortung, Wertschätzung, Sicherheit und nicht zuletzt ein stimmiges Familienteam. Und weil Zahlen manches auf den Punkt bringen: Fluktuation bei Kopp: 0, Gesundheitszustand: 99,2 %, Bewertung durch die Kunden: Schulnote 1,5.  

Insgesamt laden die Evangelischen Dekanate zusammen mit dem Zentrum Gesellschaftliche Verantwortung der EKHN ein, acht Betriebe aufzusuchen, die spezielle Maschinen und Produktionsanlagen für die Industrie weltweit herstellen und verkaufen.   

Unter dem Titel „Wir machen Türen auf“ werden außerdem besucht: das Familienunternehmen Rothenberger in Kelkheim, ADD Antriebstechnik Dittrich in Gernsheim, den Textilmaschinenhersteller Erbatech in Erbach, den Hersteller für Industrielle Reinigungstechnik KLN in Heppenheim, die Schaltanlagenproduktion von Siemens in Frankfurt, die ESR Pollmeier Antriebstechnik GmbH in Ober-Ramstadt  und den Technologiekonzern Schunk in Gießen.  

Anmeldung erforderlich: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! Das Gesamtprogramm finden Sie unter http://www.zgv.info/arbeit-soziales.html - Stichwort: Betriebsbesuche.  

Text: Annette Claar-Kreh, Fotos: Heike Miehe