Die Vielfalt des Pfarrberufs

Acht junge Männer und Frauen studieren im Evangelischen Dekanat Vorderer Odenwald Theologie/Einmal im Jahr treffen sie sich mit Dekan Joachim Meyer zum Austausch
TheologiestudierendeHPEs ist eine lockere Runde, die im Andachtsraum mit den schönen Fenstern des Groß-Umstädter Glaskünstlers Robert Münch im Darmstädter Schloss in Groß-Umstadt am Tisch zusammensitzt. Einmal im Jahr treffen sich die Theologiestudentinnen und -studenten mit Dekan Joachim Meyer und tauschen sich aus. Im Dekanat Vorderer Odenwald bekommen alle Studierenden 75 Euro Büchergeld pro Semester. Eine Ausnahme. In anderen Dekanaten ist das nicht üblich. Über den großen Tisch kreuzen sich spannende Lebenswege.

Da ist Stephanie Dreieicher, 38, aus Groß-Zimmern, die Geschichte und Pädagogik studiert und sich zur Kinder- und Jugend-Familienberaterin hat ausbilden lassen. Sie ist als Gemeindepädagogin beim Dekanat angestellt und arbeitet in den Kirchengemeinden Münster, Eppertshausen, Altheim und Harpertshausen. Seit Februar 2015 studiert sie an der Evangelischen Hochschule in Darmstadt Religionspädagogik mit gemeindepädagogischem Zertifikat.

Alexander Hauck, 25, aus Kleestadt wollte ursprünglich Polizist werden, studiert aber mittlerweile im elften Semester Theologie – erst in Frankfurt, seit April in Leipzig. In der Schule hat ihm schon der Religionsunterricht gefallen, später engagierte es sich im Kirchenvorstand. Sein Ziel ist das Pfarramt. Nah bei den Menschen zu sein, mit und für sie zu arbeiten, das ist seine Intention.

Studienwahl nach dem Ausschlussverfahren
„Religion ist etwas sehr Persönliches, Emotionales“, sagt Jasmin Rollmann, 26. Sie interessiere vor allem, was Religion für die Menschen bedeutet.“ Gerade ist ihr erster Fantasyroman „Die Chroniken von Maldea“ im Piper-Verlag erschienen; ihr Interesse an Religion spiegelt sich auch darin wider. Religion präge das menschliche Miteinander und sei Teil der Kultur. Die Tochter einer Pfarrerin studiert in Marburg Vergleichende Kultur- und Religionswissenschaft.

Was will ich alles nicht werden? Das hat sich Alida Euler, 28, in der Oberstufe überlegt. Übrig blieb der Pfarrberuf, die Vielfalt und das selbstständige Arbeiten haben überzeugt. Im vergangenen Jahr hat Alida Euler ihr Examen gemacht und arbeitet seitdem als Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Neues Testament an der Uni Heidelberg und will promovieren. Nebenbei macht sie Radioandachten für Big FM und engagiert sich in der Flüchtlingshilfe. Parallel zum Theologiestudium hat sie Volkswirtschaftslehre studiert.

Nachwuchsprobleme nicht so schlimm wie prognostiziert
Auf dem Gebiet der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) studieren laut Pfarrerin Anja Schwier-Weinrich, bei der EKHN zuständig für die Nachwuchsgewinnung, zwischen 260 und 270 junge Männer und Frauen Theologie. 84 sind derzeit im Vikariat, also in der praktischen Vorbereitung auf den Pfarrberuf. Obwohl die Studienzahlen insgesamt wieder leicht sänken, seien die Zahlen der Theologiestudierenden in der EKHN gleich geblieben, sagt Schwier-Weinrich.

Theologie ist ein langes und anspruchsvolles Studium. Die durchschnittliche Studiendauer liege bei 14 Semestern, was es bei G-8 schwierig mache. Es gebe Nachwuchsprobleme und Vakanzen, aber noch nicht die großen Lücken wie prognostiziert, erläutert Anja Schwier-Weinrich. Die meisten Vakanzen gebe es in der Propstei Nord-Nassau, zu der unter anderem der Westerwald gehört. Momentan gingen mehr Frauen als Männer in den Pfarrberuf und alle wollten lieber in die Stadt. Was sie außerdem beobachtet: Durch ihr großes Engagement in der Flüchtlingsarbeit gerate die Evangelische Kirche bei Jugendlichen wieder stärker in den Blick – auch als mögliches Berufsfeld.

Gemeindepädagogin Stephanie Dreieicher ist von ihrer Berufswahl überzeugt: „Es ist schön, Kindern und Jugendlichen zu zeigen, dass Kirche und Religion nichts Angestaubtes sind und dass jeder angenommen ist.“