Erinnerung an die ermordeten Juden

Gedenkgang zur Erinnerung an den 75. Jahrestag der ersten Deportation von Juden am Freitag, 24. März, um 11.30 Uhr von der Justus-Liebig-Schule zum „Gedenkort Güterbahnhof“
Dieburg Deportation bea mmzHPVon Darmstadt aus wurden laut Gedenkbuch des Bundesarchivs die ersten Juden am 25.3.1942 in die Vernichtungslager im Osten deportiert. Aus allen Teilen des Volksstaates Hessen, von Rheinhessen bis nach Dieburg, waren sie in den Tagen zuvor in der Liebig-Oberrealschule zusammengetrieben worden.

Dort wurden die Juden registriert und gefilzt, dann folgten der Marsch zum Güterbahnhof und der Transport in die Vernichtung. Etwa 1000 Menschen, alle unter 65 Jahre alt, wurden „evakuiert“, unter ihnen 164 Darmstädter Juden. Um die Deportation als „Umsiedlung zum Arbeitseinsatz“ zu tarnen, waren zwei Waggons mit Nähmaschinen an den Zug angekoppelt. Die Deportierten wurden zunächst in das Durchgangs-Ghetto Piaski bei Lublin transportiert; ihre Spur verliert sich in den Vernichtungslagern wie Belzec und Majdanek. Fast alle kamen ums Leben.

Der Weg ist dem der Deportierten nachempfunden
Aus Anlass des 75. Jahrestages laden die Veranstalter ein, den Weg von der Justus-Liebig-Schule zum „Denkzeichen Güterbahnhof“ zu gehen – auf dem Weg, den die Juden damals von der Justus-Liebig-Schule zum Güterbahnhof gehen mussten. Unterwegs werden die 164 Namen der ersten Darmstädter jüdischen Opfer von Schülerinnen und Schülern vorgelesen und einzelne kurze Biographien vorgestellt. Treffpunkt ist vor dem zurzeit leerstehenden Schulgebäude an der Ecke Landwehrstraße / Johannesplatz.

Am „Denkzeichen Güterbahnhof“ Ecke Bismarckstraße / Kirschenallee wird Oberbürgermeister Jochen Partsch eine Ansprache halten und der Kantor der jüdischen Gemeinde das Kaddischgebet sprechen. Musikalisch begleitet wird die Veranstaltung von einem Saxophonquartett der Akademie für Tonkunst unter der Leitung von Sabine Hoppe.

Veranstalter des Gedenkgangs sind: die Wissenschaftsstadt Darmstadt, die Jüdische Gemeinde Darmstadt, die Initiative „Gedenkort Güterbahnhof“, der Landesverband Sinti und Roma und die Gesellschaft für Christlich- Jüdische Zusammenarbeit mit Unterstützung der Justus- Liebig- Schule, des Arbeitskreises "Stolpersteine", der ACK (Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen) und des evangelischen Dekanats Darmstadt-Stadt wie des katholischen Dekanats Darmstadt.

Das Foto zeigt den Gedankenstein, der in Dieburg an die ermordeten Juden erinnert und im Oktober 2016 vor dem Landratsamt aufgestellt wurde. Foto: Michael Merbitz-Zahradnik

„Wer die Vergangenheit nicht kennt, ist verdammt sie zu wiederholen.“ George Santayana