Kreative Umverwertung

Reichelsheimer Repair-Café näht aus alten Bannern extra große Taschen
Upcycling Helga BohmeyerHPReichelsheim. „Sie sind heilig! – huch?“ Das steht derzeit in großen Lettern auf den himmelblauen Bannern, die an evangelischen Kirchtürmen und Gemeindehäusern hängen, an Fahnenmasten flattern oder als Plakate in Schaukästen und an Schwarzen Brettern zum Lesen animieren. Die zentrale Aussage: Vor Gott muss sich niemand beweisen. Menschen sind von sich aus wertvoll und kostbar, weil Gott ihnen dies zusagt.  Das ist ein zentraler Gedanke des Reformators Martin Luther. Mit diesen Grundgedanken löste Luther vor genau 500 Jahren die Reformation aus, die die evangelische Kirche begründete. Die aktuellen Banner und Fahnen sind Teil der sogenannten Impulspost, die die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) zwei Mal im Jahr zu unterschiedlichen Themen gestaltet.

Was aber passiert mit den Bannern und Fahnen, wenn sie wieder abgehängt werden? Im Repair-Café in Reichelsheim hat man dazu eine Lösung gefunden: Upcycling. „Upcycling“ setzt sich aus den englischen Worten „up“ (nach oben) und Recycling (wiederverwerten) zusammen und bedeutet, dass scheinbar Nutzloses und nicht mehr Benötigtes in etwas Neues verwandelt wird. Die Näherinnen im Reichelsheimer Repair-Café haben aus den roten Bannern der Impulspost, die sich mit dem Thema Familie auseinandersetzte und nach dem Abhängen im Abstellraum des Evangelischen Dekanats Vorderer Odenwald in Groß-Umstadt schlummerten, kurzerhand XXL-Taschen genäht. „Damit können die Dauerplakate fürs Repair-Café sicher gelagert werden“, sagt GenerationenNetz-Koordinatorin Gabriela Hund.

Das GenerationenNetz Reichelsheim ist ein Familienzentrum, das sich für das Miteinander der Generationen und die Vernetzung untereinander einsetzt. Es ist ein Projekt der Evangelischen Michaelsgemeinde Reichelsheim in Kooperation mit dem Diakonischen Werk Odenwald und der Mary Anne Kübel Stiftung, finanziert als Familienzentrum von der EKHN (bis 31. März 2017) und dem Land Hessen sowie aus Spenden Reichelsheimer Bürgerinnen und Bürger. Es besteht seit April 2014 und wurde auch schon mit einem Preis im Wettbewerb „Aktion Generation“ des Landes Hessen ausgezeichnet. Das Repair-Café ist eines der Angebote des GenerationenNetzes.Upcycling Mechtild StoeberHP

Reparieren ist Klimaschutz
Die Idee des Repair-Cafés kommt aus den Niederlanden und hat auch in Deutschland rasche Verbreitung gefunden. Dem Team des Reichelheimer Repair-Cafés gehören knapp 30 freiwillige Helferinnen und Helfer zwischen 13 und 85 Jahren an, die gegen eine Spende kaputte Gegenstände aus den Bereichen Elektro, PC, Holz, Metall und Textil möglichst gemeinsam mit deren Besitzerinnen und Besitzern reparieren und für die Bewirtung und Organisation sorgen. „Das Repair-Café ist etwas, was die Leute begeistert und mitnimmt, weil es ein Miteinander von etwas Handfesten und Kommunikativem bietet“, sagt Gabriela Hund. Zudem ist es relativ leicht umsetzbar, passt perfekt ins Klimaschutzkonzept der EKHN und gehört auch zu den Empfehlungen, die die Synode des Evangelischen Dekanats Vorderer Odenwald ausgearbeitet hat.

Einmal im Monat, an jedem dritten Samstag, öffnet das Repair-Café seine Pforten. Dann kommen auch die Plakate zum Einsatz, die nun in den neuen Taschen sicher aufbewahrt und transportiert werden können.

www.generationennetz-reichelsheim.de


Die Fotos zeigen die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen Helga Bohmeyer (oben) und Mechtild Stöber beim Aufhängen der Plakate; Foto: GenerationenNetz Reichelsheim