Aufbau praktisch aus dem Nichts

Die evangelische Kirche in Eppertshausen feiert ihren 50. Geburtstag/Festgottesdienst an Pfingstmontag
Epp Kirche frontBis 1945 gab es in Eppertshausen nur sehr wenige evangelische Christen, die damals zur evangelischen Kirchengemeinde Dieburg gehörten. In den Nachkriegsjahren aber wuchs die Zahl durch Flüchtlinge, Vertriebene und Zuwanderer auf etwa 200 an.

Betreut wurden sie zunächst vom evangelischen Pfarrer aus Ober-Roden, später gehörten sie zur evangelischen Kirchengemeinde Urberach. 1965 zählte Eppertshausen schon 500 Evangelische. Am 1. Januar 1966 wurde schließlich die „Evangelische Kirchengemeinde Eppertshausen“ errichtet – ohne eigene Pfarrstelle. Der evangelische Pfarrer aus Urberach war weiterhin auch für Eppertshausen zuständig. Die vordringlichste Aufgabe des ersten Kirchenvorstands war, ein Gemeindehaus mit Kirchsaal zu errichten – dafür entschied man sich damals aufgrund der knappen Finanzen.

Gottesdienste auf den Stühlen der Zweitklässler
Das „Haus der Begegnung“ wurde am 28. Mai 1967 eingeweiht. Und die Gemeinde konnte erstmals in ihrer eigenen Kirche Gottesdienst feiern. Zuvor war sie dazu meist in der Schule zu Gast. Der damalige Pfarrer Helmut Marx erinnert sich: „Manchmal wischen wir erst die Schultafel sauber, bevor wir mit dem Gottesdienst beginnen – sitzend auf Stühlen der zweiten Klasse!“ Für größere Gottesdienste, etwa an Heilig Abend, durfte die Gemeinde die Mehrzweckhalle benutzen. Das Aufstellen von Stühlen und Altar erledigten die Gemeindeglieder. „Aber wir sind dabei Gemeinschaft geworden“, so Pfarrer Marx. 1982 erhielt die Kirchengemeinde zum ersten Mal eine eigene Pfarrvikarin, 1993 wurde die Pfarrvikarstelle in eine Pfarrstelle umgewandelt und die pfarramtliche Verbindung mit Urberach gelöst. Seit 2000 ist Johannes Opfermann Pfarrer in Eppertshausen. 2003 änderte die Evangelische Kirchengemeinde ihren Namen in „Evangelische Friedensgemeinde Eppertshausen“. Als die grundlegende Renovierung anstand, gab sich die Kirchengemeinde 2005 ein Leitbild, das doppelte Bibelwort vom Licht der Welt: „Christus spricht: Ich bin das Licht der Welt!“ (Johannesevangelium Kapitel 8, Vers 12)  - „Christus spricht: Ihr seid das Licht der Welt!“ (Matthäusevangelium Kapitel 5,  Vers 14). Die Renovierung wurde ähnlich vollzogen, es sollte „Licht werden“ im Haus. 2016 wurde der Gemeindesaal technisch umgerüstet, damit von dort aus die neue, interaktive Gottesdienstform „5015 – Ruf nach mir“ mehrmals im Jahr ins Internet übertragen werden kann.Epp Gottesdienstraum

Die Gemeindearbeit ist rege, stellvertretend seien zwei Beispiele genannt: Seit den 1980er Jahren gibt es einen Ökumenischen Arbeitskreis, der verschiedene Veranstaltungen wie zum Beispiel den Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar und das monatliche Friedensgebet organisiert. 2007  gründete die Friedensgemeinde die Gemeindestiftung „SternenLicht“, die unter anderem die Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Senioren und die Erwachsenenbildung unterstützt.

„Im Jubiläumsjahr blicken wir zurück auf die Anfänge unserer Gemeinde und die vergangenen fünfzig Jahre. Wir richten den Blick aber auch nach vorne. In den Anfangsjahren haben engagierte Menschen mit sehr wenig finanziellen Mitteln praktisch aus dem Nichts eine Gemeinde aufgebaut. In den folgenden Jahrzehnten haben immer wieder Menschen mit viel Einsatz die Gemeinde weiter gebracht. Diese Beispiele und unser Glaube sollen uns Mut und Freude machen, die Zukunft unserer Gemeinde zu gestalten“, sagt Pfarrer Johannes Opfermann.

Die Evangelische Friedensgemeinde Eppertshausen feiert ihren Geburtstag am Pfingstmontag, 5. Juni, 18 Uhr, mit einem Festgottesdienst. Pfarrer Joachim Meyer, Dekan des Evangelischen Dekanats Vorderer Odenwald, hält die Festpredigt „50 Jahre Friedensgemeinde – Mit Gottes gutem Geist unterwegs“. Am Mittwoch, 28. Juni, 19 Uhr, gibt es ein Erzählcafé mit Abendimbiss und Gästen aus den vergangenen 50 Jahren zum Thema „Wie war das früher in der Friedensgemeinde?“. Am Sonntag 5. November, 11.15 Uhr (nach dem Gottesdienst) feiert die Stiftung SternenLicht ihr zehnjähriges Bestehen. Und im neuen Jahr, am Sonntag, 28. Januar 2018, gibt es eine für alle offene Zukunftswerkstatt „Die Friedensgemeinde in 15 Jahren“.


ZEITTAFEL
ab 1945        Durch Flüchtlinge, Vertriebene und Zuwanderer wächst die Zahl der
                     Christen deutlich auf etwa 200 an; sie werden von Ober-Roden, später von Urberach aus betreut
1965             Eppertshausen zählt 500 Evangelische
1. Jan. 1966  Errichtung der Evangelischen Kirchengemeinde Eppertshausen – ohne eigene Pfarrstelle
28. Mai 1967 Einweihung des neuen Gemeindezentrums mit Kirchsaal
8. Juni 1986  Einweihung der Glocke
1993             Eppertshausen bekommt eine eigene Pfarrstelle
2003             Umbenennung in Evangelische Friedensgemeinde Eppertshausen
2005             Das doppelte Wort vom Licht der Welt wird Leitbild
2007             Gründung der Gemeindestiftung „SternenLicht“

Text: Silke Rummel, Bilder: Gerhard Thomas