Heimat für viele

Festgottesdienst zum 50-jährigen Bestehen der Eppertshäuser Kirche / Aufbau nach dem Zweiten Weltkrieg
Epp PfarrerHPDraußen läutete die Glocke, drinnen wurden Stühle gerückt. Denn die, die zum Festgottesdienst am Pfingstmontag  in der Evangelischen Friedensgemeinde gestellt waren, reichten bei weitem nicht aus. Also mussten weitere geholt werden. Die Kirche feierte 50. Geburtstag und viele waren gekommen – darunter mit Else Klum sogar eine Frau der ersten Stunde. Epp OpfermannHP

„Ein eigenes Haus – das hat mit ankommen und heimisch werden zu tun“, sagte der Eppertshäuser Pfarrer Johannes Opfermann in seinem Rückblick. In den Nachkriegsjahren wuchs die Zahl der Evangelischen durch Flüchtlinge, Vertriebene und Zuwanderer an. Betreut wurden sie vom evangelischen Pfarrer aus Ober-Roden. 1965 lösten sich Urberach und Eppertshausen von Ober-Roden, blieben einander aber weiter pfarramtlich verbunden, als Eppertshausen 1966  eigenständige Kirchengemeinde wurde. 1967 wurde schließlich das Gemeindezentrum mit geringen finanziellen Mitteln gebaut. Vieles übernahmen die Gemeindeglieder in Eigenhilfe. Als die Pfarrstelle 2007 um ein Viertel gekürzt wurde, hätten viele das Gefühl gehabt, es gehe bergab, so Opfermann. Der Kirchenchor habe sich aufgelöst, ebenso der ökumenische Frauenkreis und die Bastelgruppen, dafür gebe es nun einen Spielkreis, einen Frauenkreis sogar mit Warteliste und den Online-Gottesdienst „5015“.

Epp DekanHPEine Gemeinde mit vielen Stärken
Die Erfahrung von Flucht und Migration nach dem Zweiten Weltkrieg und eine Minderheit in einem katholischen Ort zu sein, habe die Evangelische Friedensgemeinde Eppertshausen geprägt, sagte Pfarrer Joachim Meyer, Dekan des Evangelischen Dekanats Vorderer Odenwald, in seiner Festpredigt. „Ganz, ganz viel Aufbauarbeit ist geschehen.“ Gaben und Begabungen seien Früchte des Heiligen Geistes, führte er weiter aus und wollte wissen, welche Begabungen und Stärken die Friedensgemeinde habe. Zehn Atemzüge lang  hatten die Gottesdienstbesucherinnen und -besucher Bedenkzeit. Dann riefen sie Schlagworte wie  „Gemeinschaft – Zusammenhalt – offenes Haus – Freundschaft – gute Predigten – Nachbarschaft – Engagement – gute Musik“ und etliches mehr in den Raum. Wofür sollte die Friedensgemeinde heute und in der Zukunft einstehen? Ein paar Antworten: „Heimat sein – Heimat werden – Trost und Kraft in schweren Stunden – lebendige Gottesdienste“. Epp MusikerHP

Zeitenwende: Smartphones? Wie altmodisch. Kirchensteuer? Gibt es nicht mehr. Leere Kirchenstühle? Das war einmal. Die Konfirmanden haben vorige Woche mit ihrem Pfarrer kurzerhand ein kleines Filmchen gedreht, der im Jahr 2067 spielt. Aus dem schauen sie an diesem Abend verwundert auf das 50. Jubiläum zurück.

Auch die Lieder des Festgottesdienstes sind ihrer Zeit voraus: Sie entstammen dem „EG plus“, das erst im September vorgestellt wird. Rochus Paul, einer der vier Eppertshäuser Kirchenmusiker, begleitete den Gottesdienst furios am Klavier, derweil die Abendsonne in den Raum schien und das Leitwort der Gemeinde „Christus spricht: Ich bin das Licht der Welt! Christus spricht: Ihr seid das Licht der Welt!“ hervorhob.

„Ich freu mich einfach, hier zu sein!“
Im Anschluss dankte Bürgermeister Carsten Helfmann der Friedensgemeinde in seinem Grußwort dafür, dass sie immer da sei, wenn sie gebraucht werde und lobte die Kinder- und Jugendarbeit, die ökumenische Arbeit und das Bereitstellen von Räumen für Sprachkurse und Kinderbetreuung. „Das Land wäre arm, wenn es die ganzen kirchlichen Einrichtungen nicht gäbe.“ Pfarrer Ulrich Möbus zündete im Namen der Nachbargemeinden Altheim und Münster drei Kerzen an und stellte sie dicht beisammen – als Symbol für die gute und enge Zusammenarbeit. „Wir haben hier in der Gemeinde eine Heimat gefunden“, sagte Edith Langmaack, die 1976 nach Eppertshausen gekommen war. Immer, wenn sie die Kirche aufschließe, fühle sie sich wohl. Manchmal singe sie alleine im Gottesdienstraum. „Ich freu mich einfach, hier zu sein!“

Am Mittwoch, 28. Juni, 19 Uhr, gibt es ein Erzählcafé mit Abendimbiss und Gästen aus den vergangenen 50 Jahren zum Thema „Wie war das früher in der Friedensgemeinde?“. Am Sonntag 5. November, 11.15 Uhr (nach dem Gottesdienst) feiert die Stiftung SternenLicht ihr zehnjähriges Bestehen. Und im neuen Jahr, am Sonntag, 28. Januar 2018, gibt es eine für alle offene Zukunftswerkstatt „Die Friedensgemeinde in 15 Jahren“.
Text + Fotos: Silke Rummel
Epp HelfmannHPEpp MoebusHPEpp LangmaackHP