Ein Zelt aus Glas, Stahl und Beton

Die evangelische Kirche in Hassenroth feiert ihren 50. Geburtstag/Jubiläumsfest am Sonntag, 2. Juli
Hassenroth Kirche kleinHPZwei versetzte Pyramiden schieben sich ineinander und geben der Kirche die Form eines Zeltes. Es ist ein besonderes Gotteshaus. Und das seit nunmehr 50 Jahren. Am Sonntag, 2. Juli, wird der Geburtstag der Kirche mit einem Gemeindefest gefeiert. Für Pfarrer Alfred Schwebel, seit 17 Jahren in Hering-Hassenroth, ist die Kirche „Ausdruck dafür, dass jede Zeit ihre eigene Art hat, ihren Glauben auszudrücken“. Das Zelt sei ein Symbol für das wandernde Gottesvolk, das nicht in dieser Welt sesshaft werde.

Hering und Hassenroth bilden schon seit Jahrzehnten eine Kirchengemeinde, bei der die Hassenröther früher – mangels eigener Kirche – bei Wind und Wetter zum Gottesdienstbesuch und Konfirmandenunterricht nach Hering gehen mussten. Ende 1955 kam der Gedanke auf, in Hassenroth einen eigenen Gottesdienstraum zu schaffen. Dies mündete in der Gründung des Kirchbauvereins im Jahr 1960 unter der Ägide des damaligen Bürgermeisters Philipp Dörr und dem anschließenden Bau. Am 15. Januar 1967 wurde die evangelische Kirche Hassenroth eingeweiht und ihrer Bestimmung übergeben. Zur Einweihung kam sogar der damalige hessische Ministerpräsident Georg August Zinn.

2004 wurde die Kirche unter Denkmalschutz gestellt
Die Kirche stammt aus der „Betonzeit“, sie wurde in Sichtbeton mit Stahlkonstruktion aufgebaut. „Wir können heute nur noch bauen, was in seinen Ausdrucksformen vor der Forderung unserer Zeit bestehen kann und wir können dies auch nur tun mit den Baumitteln unserer Zeit – Glas, Stahl und Beton“, formulierte Architekt Paul Posenenske aus Offenbach es seinerzeit. Und weiter: „Es kam mir darauf an, einen Innenraum zu bilden, der bei äußerster Zurückhaltung und unter Verzicht auf dekoratives Zubehör und modische Effekte durch die Besonderheit seiner harmonisch abgestimmten Dimensionen Geborgenheit gibt und Sammlung ermöglicht.“ 2004 wurde die Kirche aus künstlerischen und architekturgeschichtlichen Gründen unter Denkmalschutz gestellt. Hassenroth AltarHP

Der Innenraum ist schlicht und nüchtern gehalten. Die Bankreihen steigen nach hinten leicht an. „Durch die Anordnung der Sitzplätze ist man auf Augenhöhe und kann jedem ins Gesicht sehen“, sagt der Pfarrer. Der Altarraum wird indirekt erhellt. Alfred Schwebel mag das, vor allem, wenn das warme Abendlicht in die Kirche fällt. Die Innenhöhe beträgt 15 Meter. Musiker schätzen die Akustik. So ist zum Beispiel der Liedermacher Clemens Bittlinger regelmäßig in Hassenroth zu Gast.

Die evangelische Kirche in Hassenroth ist eine von drei Kirchen, die im Evangelischen Dekanat Vorderer Odenwald in diesem Jahr ihr 50-jähriges Bestehen feiert. Die Schneckenkapelle in Billings (Fischbachtal) und das Gemeindezentrum in  Eppertshausen wurden ebenfalls 1967 errichtet.

Die evangelische Kirchengemeinde Hering-Hassenroth feiert am  Sonntag, 2. Juli, in und um die Hassenröther Kirche ein Jubiläumsfest. Es beginnt mit einem Festgottesdienst um 10.30 Uhr, bei dem Dekan Joachim Meyer die Predigt hält. Gegen 13.30 Uhr wird ein  Überraschungsgast erwartet und um 16 Uhr spielt das Mobile Kindertheater Odenwald das Märchen vom Froschkönig.
Am Sonntag, 19. November, 17 Uhr, tritt Pfarrer und Liedermacher Clemens Bittlinger mit seinem Programm „Unerhört“ auf. Karten kosten im Vorverkauf 13 Euro, an der Abendkasse 15 Euro. Zeit der Einkehr, der Besinnung und der Stille: Im Jubiläumsjahr hat die Hassenröther Kirche täglich von 10 bis 17 Uhr geöffnet.

ZEITLEISTE
November 1955    Erste Gespräche über die Aufstockung des Schulsaals zur Schaffung eines gottesdienstlichen Raumes
10. März 1957        Grundstückschenkung durch die bürgerliche Gemeinde
4. Dezember 1960    Gründung des Kirchbauvereins durch Philipp Dörr
23. April 1964        Genehmigung des Kirchbaus durch die Kirchenleitung
20. August 1964    Erster Spatenstich
15. Dezember 1966    Einzug der Glocken in Hassenroth
Heiligabend 1966    Glocken erklingen zum ersten Mal; Übergabe der schlüsselfertigen Kirche an Pfarrer Walter Makosch
15. Januar 1967    Einweihung der Kirche
7. April 1968        Übergabe der neuen Orgel durch den Kirchbauverein
2004            Die Kirche in Hassenroth wird unter Denkmalschutz gestellt
4. Dezember 2005    Einweihung des neuen Gemeindehauses
2013            Renovierung der Außenglasfassade

Text: Silke Rummel, Bilder: Manfred Rantzsch