Bauwagen stärkt das Zusammengehörigkeitsgefühl

Bauwagen HalloHPIn der Kindertagesstätte Morgenstern der Evangelischen Kirchengemeinde Winterkasten sind die zukünftigen Schulkinder neuerdings in einem Bauwagen untergebracht/Einmalig im Evangelischen Dekanat Vorderer Odenwald

Draußen liegt Schnee, drinnen üben Jonathan, Mika, Pete, Nala, Lea und die Zwillinge Gilbert und Gerret mit Erzieherin Sylvia Greb und Praktikantin Alessa Paskowski ein Gedicht, das sie im Gottesdienst aufsagen wollen. Sie sitzen einander gegenüber auf den Bänken im Bauwagen, teilweise mit dicken Socken an den Füßen. Zur Gruppe gehören eigentlich noch drei Kinder mehr, aber die fehlen an diesem Vormittag.

Kinder sind unter sich – das tut der Gruppe gut
Der Bauwagen steht auf dem Gelände der Evangelischen Kindertagesstätte und ist schon vom Eingang aus zu sehen. Im Sommer wurde er angeschafft, weil der Platz im Gebäude nicht mehr ausreichte. Sie hätten erst überlegt, eine Naturgruppe im Bauwagen unterzubringen, berichtet Pfarrer Sebastian Hesselmann, den Gedanken dann aber verworfen, da die Kinder ohnehin naturnah betreut würden und im Kindergarten zum Beispiel Kräuter- und Gemüsebeete hätten. Dann sei ihnen der Gedanke gekommen, den Bauwagen zum festen Domizil der zukünftigen Schulkinder zu machen. Gedacht, getan. „Wir stellen fest, dass die Gruppe seitdem ein ganz anderes Zusammengehörigkeitsgefühl hat“, sagt Kita-Leiterin Marie-Christine Helferich. Bauwagen innen HP

Gelungene Kooperation zwischen Stadt und Kirchengemeinde
Anbau oder Container – auch das war im Gespräch, dann aber sah der Pfarrer in Lautertal einen Bauwagen und wollte das auch. Die Schreinerei Hirnholz in Bensheim hat ihn gebaut, die Stadt Lindenfels die Kosten in Höhe von 30.000 Euro übernommen. Heizung und Feuerlöscher waren Sache der Kirchengemeinde. Für Sebastian Hesselmann ist der Bauwagen ein „gelungenes Beispiel der Kooperation zwischen Stadt und Kirchengemeinde“.

Die Kinder haben die Entstehung mitverfolgt: Sie waren zu Besuch in der Schreinerei und am Bauwagen, als der am Waldrand abgestellt war, weil der Aufstellplatz noch fertig gestellt und eine Straße angelegt werden musste, damit der Unimog ihn an seinen Platz ziehen konnte. Außerdem haben die Kinder einen Walnussbaum gepflanzt, damit es im Sommer nicht mehr so heiß wird.

Im Bauwagen sind die Kinder unter sich. Hier haben sie ihre altersgemäßen Spiel- und Bastelsachen, die sonst zum Schutz der Kleineren im Kita-Alltag nicht frei zugänglich sind. Unter den Spielbänken finden sich Magnete, Dinos, Bügelperlen, Experimentierkisten und vieles mehr. Alles kann an Ort und Stelle bleiben. Das ist praktisch und ein Anreiz für die nachwachsenden Bauwagengruppen. „Die nächste zukünftige Schulkindergruppe freut sich schon, im Sommer hier einzuziehen“, sagt Marie-Christine Helferich.


HINTERGRUND
72 Kinder besuchen die Evangelische Kita Morgenstern. Es gibt zwei Regelgruppen, eine Krippengruppe und die Bauwagen-Gruppe, die Kindergartenleitung und Träger gerne als vierte Gruppe anerkannt bekommen würde. Die Kita hat von 7 bis 17 Uhr geöffnet.

Text + Fotos: Silke Rummel