Zurück in die Heimat

Der gebürtige Ueberauer Simon Körber ist der neue Pfarrer in der Evangelischen Kirchengemeinde Niedernhausen
Simon KrberHPDie Stimme des neuen Pfarrers füllt den Kirchenraum. Simon Körber steht in der St. Johannes der Täufer-Kirche und übt liturgische Gesänge. „Es ist wichtig, dass man einen Bezug zum Kirchenraum hat, ein Gefühl dafür bekommt“, sagt er. Das Konzept der offenen Kirche gefällt ihm. „Es ist wichtig, dass es einen Ort gibt, an dem man zur Ruhe kommen kann.“ Ab 1. Juni wird die Niedernhäuser Kirche „seine“ Kirche sein. Nach gerade mal vier Monaten Vakanz, die nach dem Weggang von Annika Fröhlich Ende Januar entstanden ist, hat Niedernhausen wieder einen Pfarrer.

„Ich bin froh, wieder in die Heimat zu kommen“, sagt der 30-Jährige, der aus Ueberau stammt. Seine Mutter Gudrun engagiert sich dort im Kirchenvorstand. „Der Glaube hat für mich schon immer eine Rolle gespielt“, sagt Körber. Schon durch die Großeltern, bei denen es üblich war, am Mittagstisch und vor dem Zubettgehen zu beten. In seiner Jugend engagierte er sich in Ueberau als Teamer in der Kirchengemeinde und lange ehrenamtlich beim Technischen Hilfswerk in Ober-Ramstadt.

Bedingungslose Heilszusage
Als er nach Realschulabschluss in Groß-Bieberau und Abitur in der Landrat-Gruber-Schule nicht so recht wusste, was er machen soll, kam er durch seinen früheren Religionslehrer Alfred Schwebel aus Hering-Hassenroth, der nun sein Kollege ist, dazu, Theologie zu studieren. Obwohl Simon Körber Melanchthon näher steht als Martin Luther, sieht er „die bedingungslose Heilszusage Gottes – allein aus Gnade, allein aus Glaube“ als große Stärke des Luther’schen Protestantismus und als genauso aktuell wie vor 500 Jahren. „Gerade in der heutigen Leistungsgesellschaft mit ihrem Kosten-Nutzen-Denken.“

Simon Körber hat an der Goethe-Universität in Frankfurt studiert. Während des Studiums hat er 2012 fünf Monate in Israel im Kibbuz Geva gelebt und gearbeitet. „Eine schöne und prägende Zeit“, sagt er. Dort habe er Ostern gefeiert und die Vielfalt des Christentums erlebt und wie die unterschiedlichen Religionen zum Alltag dazu gehörten.

Nach Abschluss des Studiums 2015 absolvierte er sein Vikariat, also die praktische Ausbildungszeit für Pfarrer, in der Lutherkirche in Frankfurt. Dort habe er einen Bezug zur Kirchenmusik bekommen und auch angefangen in der Kantorei zu singen und liturgische Gesänge geübt, erzählt er. Sein Spezialvikariat machte er bei der Regionalverwaltung Starkenburg-Ost.

Mit den Menschen leben
Jetzt geht es also zurück aufs Land. Das beeindruckende Ensemble aus Pfarrhaus, Garten und Kirche in Niedernhausen hat ihm und seiner Verlobten Kerstin Böcker (30), die aus Neuenkirchen (zwischen Bielefeld und Osnabrück) stammt und mit ins Pfarrhaus einzieht, sofort gefallen. Die Vielfalt der Gemeinde, Kirchenmusik, Chor, Posaunenchor, Ankommen-Auftanken-Gottesdienste und der engagierten Kirchenvorstand haben ihm die Entscheidung leicht gemacht. Dass es eine evangelische Kindertagesstätte gibt, empfindet der junge Pfarrer als Segen. „Durch eine Kindertagesstätte kann Kontakt entstehen zwischen Alteingesessenen und Neuzugezogenen.“ Er habe schon einige Menschen kennengelernt und den Eindruck, schon angekommen zu sein. „Ich will als Pfarrer präsent in der Gemeinde sein und mit den Menschen leben“, sagt Simon Körber.

Simon Körber wird am Samstag, 24. Juni, 15 Uhr, in der Niedernhäuser Kirche ordiniert. An diesem Tag feiert die Kirchengemeinde auch ihr Gemeindefest.

Text + Bild: Silke Rummel